Die guten guten Vorsätze

Jetzt ist es wieder soweit. Die Zeit ist gekommen für kluge Vorsätze. Vorsätze die motivieren, aktivieren, die den Weg zum besseren Menschen pflastern – wie Leichen.

Die Bilanz ist schlecht. Auch wenn es dafür keine Beweise gibt, denn wer überprüft denn wirklich, ob er die vielfältigen gut gemeinten Ziele zu Jahresbeginn wirklich eingehalten hat. Trotzdem, das Gefühl sagt, die Bilanz ist schlecht und wenn wir dem Populismus etwas zu verdanken haben, dann dass das Gefühl valide ist, genau wie Fakten. Aber haargenau.

Die guten Vorsätze zu Jahresbeginn sind eine Art inneres Kyoto-Protokoll (oder Pariser Klimaabkommen, für die Kurzzeitgedächtnisabhängigen). Unheimlich wichtig, nie eingehalten. Aber gut das es sie gibt, die Vorsätze. Sich schlecht fühlen ist ja bekanntermaßen der Antrieb menschlichen Fortschritts. Aber allem positiven Aspekten der Selbstkasteiung zum Trotz, es ist kein schönes Gefühl zurück zu blicken, auf all das Scheitern, das nicht erreichen, das Vergessen. Denn was ist die Konsequenz, wenn nicht die Tatsache, dass wir weiterhin schlecht und furchtbar, fehlerbehaftet und schwach sind? Alles wie zuvor. Aber ist das wirklich schlecht?

Bevor ich die Frage, auf die ich sowieso keine Antwort habe, wie so viele andere, aus dem Bauch heraus beantworte, um in der Folge meine Energie darauf zu verwenden, mich selbst davon zu überzeugen, dass die Entscheidung auch richtig war, obwohl mir – natürlich – bewusst ist, dass es zum einen völlig unmöglich ist, das zu wissen und zum anderen eh egal, habe ich mich für einen Mittelweg entschieden, der mir charmant und gehbar erscheint: der Sofortvorsatz. Ein Ziel, das schnell und einfach erreichbar ist. In meinem Fall ist das Ziel für 2019, einen neuen Spülschwamm zu kaufen. Das werde ich sofort, nachdem dieser Text fertiggestellt ist (haha), in Angriff nehmen. Das hat den Wahnsinnsvorteil, dass ich heute Abend, aller Voraussicht nach, meine Ziele für dieses Jahr erreicht habe, womit a) das Jahr gegessen ist und ich b) genug Zeit habe mich schon einmal auf das nächste vorzubereiten und c) alles was 2019 noch so klappt ein Bonus ist, die Kirsche auf dem Kuchen sozusagen. Das ist positives Zerdenken in Reinform, hilft, versprochen, großes Ehrenwort, Finger gekreuzt auf der Bibel (Altes und Neues Testament) und darunter liegt der Koran und darunter Herr der Ringer und der zweite Band von Harry Potter und all die anderen Bücher, die seltsame Fanclubs nach sich gezogen haben. Und nun, auf zum Spülschwamm.