Smells like Haftcreme

Die großen Fragen des Lebens verstecken sich doch oft zwischen den Ritzen und da bleiben sie dann stecken, wie ein Stück Apfel zwischen den Zähnen oder eine Fleischfaser des Rindersteaks, auf das man sich den ganzen Tag gefreut hat – laut Werbung.

Entweder verrotten die Fragen dann in der Ritze und stinken gemächlich vor sich hin zum Himmel, oder sie werden mit der pseudophilosophischen Zahnseide in ein unschuldiges Stück Text gepult. Wie diese Frage: Warum?

Zugegeben, diese Frage ist vielschichtig. Vielleicht ist etwas Kontext hilfreich. Beim peripheren Betrachten eines Nirvana Auftritts auf YouTube, der sich aufgrund des peripheren Sachverhalts über mehrere Tage hinzog, wurde mir mehrmals die selbe Werbung vor die Nase gesetzt. Sowohl vor, als auch während des Videos. Und zwar Werbung für Haftcreme, die in der Lage ist die dritten Zähne an Ort und Stelle zu bewahren, wenn man seine Beißerchen, wie von der Werbung imaginiert in das Stück toten Tieres treiben möchte, auf man sich wie schon angedeutet, den ganzen Tag gefreut hat.

Gotta find a way, a better way, when I’m there. (Nirvana – Territorial Pissings)

Gutes Targeting könnte man meinen. Wer sich eine MTV Nirvana Aufzeichnung aus 1992 anhört, der kann nicht mehr alle Latten im weißen Maulzaun haben. Aber ist das so? Wirklich? Ich möchte das bezweifeln. Und ich möchte nicht nur Zweifeln, ich möchte auch kritisch Fragen, sogar hinterfragen. Zum einen möchte ich die Strategie hinterfragen? Herr Haftcreme, wofür geben sie ihren Werbeetat aus? Hat das Tracking und Data-Mining ergeben, dass Wut auf ihre Firma den Kaufimpuls stärkt?

 Just because your paranoid, don’t [sic] mean they’re not after you. (Nirvana – Territorial Pissings)

Aber ist es nicht magisch, wie moderne Technologie, elaborierte selbstlernende Algorithmen und jahrelange Hirnerweichung in Marketing-Workshops mit asap erstellten Powerpoint-Predigen zu der präzisen Ausspielung von irgendeiner Werbung vor irgendeinem Clip geführt hat. Der Personalisierung sei Dank, in einem kapitalistischen Matsch, in dem jede Individualität nur eine im Mainstream ausgewaschenen Corporate Identity ist, spielt es wahrscheinlich eh keine Rolle. Für die graue Maus, gibts das graue Haus. Egal welcher Clip, die Werbung passt.

When I was an Alien Cultures were an opinion. (Und wieder: Nirvana – Territorial Pissings)

Guten Appetit