Logbucheintrag #11

Samstag, es ist kurz nach 10 Uhr Vormittags. Die Sonne hat heute diese kalte Frische, die sie nur an einem trockenen Herbsttag hat. Die Straße nimmt sich dem Licht an. Obwohl ich bereits seit ein paar Stunden wach bin, spüre ich noch das Kissen in meinem Gesicht, die weiche Decke. Mein Magen ist leer. Ich bin auf dem Weg zum Bäcker an der Ecke. Brötchen kaufen. Danach werde ich Kaffee kochen, weiter Teil 5 von Das Büro lesen. Meine Gedanken schweifen um die Köpfe der Menschen herum, die mit mir auf dem Gehweg der Sonne ausgesetzt sind.
Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, sitzt eine Frau mit schwarzer Jogginghose, schwarzem Shirt und Kassengestell auf der Nase auf den Stufen der ehemaligen Jugendherberge, trinkt Bier und raucht. Dabei starrt sie auf ihr Telefon. Aus dem Nachbarhaus werde Säcke mit Unkraut an die Laternenlampe gelehnt. Wieviele Brötchen soll ich kaufen? Ein Croissant? Ich sehe nach unten zu meiner linken Hand. Eine braune Papiertüte. Braun wie die Tüte, in der die Brötchen gleich verpackt werden. Der Biomüll. Ich wollte ihn im Hinterhof entsorgen, bevor ich zum Bäcker gehe.
Auf halber Strecke drehe ich um. Mir kommt eine Familie entgegen. Der Mann sieht mich an. Ob er sich fragt, warum der Kerl mit einem Müllbeutel herum rennt. Oder ob er sich gar nichts fragt? Ich schließe die Haustür auf und gehe durchs Treppenhaus in den Hinterhof. Den Müll wegbringen. Danach werde ich zum Bäcker gehen. Brötchen kaufen. Vier Stück. Und danach Kaffee. Es ist nicht mehr ganz so kurz nach 10 Uhr am Vormittag.