Nachrichtenleber

Und am Ende wird uns schlecht vom Stopfen. Die letzten Wochen haben sich erstaunlich positiv und differenziert dargestellt. Gerade in der Öffentlichkeit und in ihrem so unverzerrten Spiegelbild, der Presse. Die so frei wie nie vor sich hin hysterisiert. Bild dir doch deine Meinung. Meinungsbildung ist auch Bildung. Bedeutet, wer nur Trash liest denkt, es gibt nur Trash. Und für einen Hammer sieht alles aus wie ein Nagel.

Vor kurzem habe ich ein interessantes Interview mit Harald Welzer gehört. Es ist ein Gespräch zwischen Harald Welzer und Holger Klein vom 20. Januar diesen Jahres und Teil der Podcast-Reihe WRINT: Zum Thema von Holger Klein.

Ich werde hier den Inhalt des Gesprächs nicht zusammenfassen, empfehle aber, das Gespräch anzuhören. Es geht um die Zukunft.
Bereits vor Jahren hatte ich Harald Welzer bei einer Podiumsdiskussion der Checkdisout-Reihe zum Thema Transformation Design gehört und war von seiner Sicht der Dinge beeindruckt. Sogar positiv und das ist dann auch des Pudels Kern. Denn seit dieser Veranstaltung hat mich ein Zitat von Harald Welzer nicht mehr verlassen.

Wir müssen neue Träume träumen. 
Harald Welzer (vielleicht nicht wortwörtlich, aber inhaltlich)

Erst seit dieser Veranstaltung und den Ausführungen von Harald Welzer wurde mir klar, dass selbst unsere Träume sozioökonomisch geprägt sind, da auch sie auf zum Teil gesellschaftlich, mehr oder weniger bewusst, erzeugten Bedürfnissen beruhen. Unser Traum von Freiheit ist eng mit dem popkulturellen Freiheitsbegriff der letzten Jahrzehnte verbunden. Natürlich spielt in diesem Freiheitsbegriff das Auto etwa ein zentrale Rolle. Gerade diese Träume sind vielleicht die größten Hindernisse im Überkommen von Konflikten oder Herausforderungen.

Wir kennen den Schweinehund, er ist unser aller Haustier. Weshalb Strömungen wie der konstruktive Journalismus so elementar wichtig sind. Wer die Nachrichten und die Berichterstattung der „Leitmedien” der letzten Jahre verfolgt hat, kommt zwar seiner Bürgerpflicht nach, sich zu informieren. Ob die „Leitmedien” allerdings ihrer Pflicht der Information nachkommen, sei dahingestellt.

Zerrbilder sind nicht die Ausnahme, sie sind die Regel

Es ist sicher keine leichte Aufgabe täglich in einer Redaktion zu sitzen und entscheiden zu müssen, was publiziert wird und was nicht. Jedes Medium unterliegt Zwängen, die mit der Form des Mediums beginnen und mit ökonomischen Verbindlichkeiten aufhören. Die Presse ist frei, aber nur innerhalb ihres eigenen Gefängnisses. Niemand kann sich von allem frei machen und rein objektiv handeln. Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, wie weit versucht wird, im öffentlichen Diskurs, das Zerrbild der aktuellen Lage soweit zu entzerren, dass ein aufgeklärtes Bild entsteht. Podcasts wie zum Beispiel Die Lage der Nation zeigen einen Weg auf, wie ein öffentlicher Diskurs stattfinden kann, auf der Basis von Fakten, diversen Quellen und Transparenz.

Denn unabhängig von jedweder Berichterstattung ist nicht alles schlecht. Vielleicht sind gute Nachrichten keine Schlagzeilen, aber sie sind sicher berichtenswert, um den nötigen Kontext zu schaffen, in den eingebettet, die Schlagzeile erst im Verhältnis zu einer entzerrten Lage steht.

Hysterie und Empörung sind keine Entzerrer. Sie erhöhen vielleicht die Auflage, tragen aber zu keiner Lösung bei. Aufgepumpte Debatten-Endlosschleifen sind keine Entzerrer. Sie suggerieren eine fiktive Problemgröße, um sich im Schlamm des Aufmerksamkeitsmarkts zu suhlen.

Die Situation erinnert mich an früher, an meine Schulzeit. Es gab nichts besseres, als fadenscheinige Debatten über irgendein blödes pubertäres Thema zwischen der Klasse und dem Lehrer. Denn um so lauter, verfahrener und stupider die Debatte war, umso geringer war die Möglichkeit, dass ich darauf angesprochen wurde, warum ich weder Hausaufgaben gemacht noch einen blassen Schimmer von dem Thema hatte, das aktuell auf dem Plan stand.