Wer wir sind

Während der Wind draußen um die Ecke nölte, ging er hoffnungsfroh auf die Toilette, nur um zu erkennen, dass er am Vortag so viel gegessen hatte, dass sich der Wanst vor ihm nicht durch einen Gang aufs Pissoir in Luft auflösen würde. Da musste er schon mehr für tun. Neugierig blickte er nach draußen. Wieder hoffnungsfroh heraus zu finden, was diesen nölenden Ton verursachte. Es erinnerte ihn an das meckernde Heulen eines verzogenen Kindes, dass keinen Nachschlag Eis bekam. Määhhhhh, määähhhhhhh…

Der Wind war stark, die Bäume bogen sich. Er konnte das Meer rauschen hören. Es musste kalt draußen sein. Am Horizont zog sich eine kleine Straße gesäumt von Bäumen über den Hügel. Ein Fahrradfahrer kämpfte gegen den Wind, den Kopf eingezogen, die Ellbogen ausgestellt. Mühsam musste das sein, der Wind zerrt und zerrt, unerschöpflich, unverdrossen, als wäre der Fahrradfahrer gar nicht da. Nur die Bäume sind für den Wind da, für sie spielt er sein Spiel, in dem sie sich wiegen, wie wundervolle Tänzerinnen.

Ob er sich denn auch auflösen könnte, fragte er sich, ob er verschwinden könnte, ohne eine Spur zu hinterlassen, ohne Fragen, ohne Verdacht und ohne Schmerz. Der Blick aus dem Fenster hatte seine eigene Meinung aber er war sich nicht sicher, diese weiten Wiesen wussten doch nichts von seinem Leben. Er sah sein Auto in der Einfahrt stehen. Wer sollte denn die Versicherung zahlen, wenn er nicht da war?