Die Pflicht zu schreiben

Themen sind überbewertet.

Da ich gerade wieder einmal vor dem Dilemma stehe, etwas schreiben zu müssen und wieder einmal keine Ahnung habe, wie das funktionieren soll, ist es nicht verwunderlich, Verzweiflung spielt dabei sicher ein Rolle, sicherlich, dass der Versuch Strategien anzuwenden, die man zumeist verabscheut, allein weil sie behaupten sie würden funktionieren, als ratsam, hilfreich und überaus legitim empfunden wird. (Diesen Satz widme ich David Foster Wallace. Den Text nicht, nein, darüber würde er sich auch nicht freuen – wahrscheinlich. )

Das Problem ist einfach beschrieben. Es gibt eine Aufgabe, mit klaren Anforderungen, Rahmenbedingungen und Zeitfenster. Der Inhalt des Textes ist klar, besprochen und steht im Grunde nicht mehr zur Debatte. Nun, das ist das perfide, ist auffällig, dass es keinerlei Probleme gibt. Und das ist die größte Sauerei. Denn es ist nicht einfach einen Text zu schreiben nur weil es offensichtlich einfach ist. Denn das ist das schwere. Und das, die nächste Sauerei und eine nicht minder schmutzige, stinkende, ist weder neu, noch originell. Deshalb gibt es ja so viele How-to-do-it-and-besides-make-me-a-rich-fuck-Bücher.

Im Grunde ist dieser Text deshalb eine Art Beweis, dass es eben nichts einfacheres gibt, als zu schreiben, wenn man denn nichts bestimmtes schreiben will. Denn das, weil es ja im Grunde einfacher ist, ist nämlich viel schwerer. Ja, oder so. Aber dieser Text hat im Grunde keinen Inhalt. Gut es gibt einen Aufhänger, anhand dessen der Text begonnen wurde. Aber bereits im zweiten Absatz ist deutlich zu erkennen, dass falls es einmal einen roten Faden, ein gewolltes Ziel für den Text gab, dieses heillos außer acht oder einfach mutwillig links liegen gelassen wurde. So ist das, das ist deutlich. Und nun, gegen Ende des dritten Absatzes wird die Inhaltslosigkeit schier unerträglich.

Da muss man schon sehr optimistisch sein, wenn man sich noch den vierten Absatz zu gemüte führt, in der Hoffnung er würde für den tiefen Fall des Dritten entlohnen. Aber schon die ersten Zeilen, leider, zerschmettern diesen Optimismus, wie ein Stück feines Porzellan. So ist es doch? Aber trotzdem, die Buchstaben purzeln und ergießen sich geradzu obszön auf das Weiß und beschmutzen es mit ihrer offenkundigen Nutzlosigkeit. Und trotzdem, ist es ein Text. Nur einer ohne Inhalt. Und das ist wirklich einfach. Man muss nur so dahin […].

Jetzt kommen wir doch wieder zum Anfang, denn zu schreiben, ist an sich bereits der erste Schritt zum gelingen. “The writers duty is to keep on writing.” (William Styron). Aber und nun unterscheidet sich die Spreu mal wieder vom Weizen, wie es Thomas Mann so schön auf den Punkt bringt:

Ein Schriftsteller ist ein Mann, dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten.

NB: Während ich diesen Text schreibe schwitze ich bei 35°C, stelle mir dabei die Frage, ob ich trotzdem noch einen Kaffee trinke und warte darauf, dass mein altes Telefon einen Ladezustand erreicht, damit ich es bedienen und neu formatieren kann. Und ach ja, schiebe den Text vor mir her, den ich eigentlich schreiben sollte.