ARTE – Ein Alptraum

Der Traum beginnt damit, dass ich einen kurzen Blick in die Fernsehzeitung werfe. Ich bin zu Hause bei meinen Eltern. Ich bemerke, dass auf ARTE ein sechzigminütiger Film kommt, der lose auf einer Geschichte von mir basiert. Lose, weil der Regisseur mein völlig unbrauchbar wirres Skript, das Inhalt eines anderen Traumes war, genommen hat und ohne mich mit einzubeziehen, für den Dreh umgeschrieben hat. Eigentlich ist nichts mehr von meiner Arbeit übrig geblieben. Selbst der Titel des Films, hat nichts mehr mit dem des Skripts zu tun. Der Film soll abends um vier Minuten nach neun beginnen. 

Ich sage meiner Mutter, dass ein Film im Fernsehen kommt, der auf einer meiner Arbeiten basiert. Versuche ihr jedoch zu erklären, dass mein Anteil verschwindend gering, nicht der Rede wert ist, dass der Film nur lose auf einer Geschichte von mir basiert. Das ist ihr egal. Sie will den Film unbedingt sehen. Um Punkt 21:04 Uhr schalten wir den Fernseher ein. Der Ton ist irre schlecht und die Untertitel sind in Html verfasst. Sie ergeben keinen Sinn und es ist auch nicht klar auf was sie sich beziehen. Mit dem Gesprochenen, haben sie offensichtlich nichts zu tun. Meiner Mutter ist das egal. Sie platzt vor Stolz. 

Die erste Szene des Films ist schräg. Ein Liebespaar versteckt sich in der Baumkrone eines blühenden Kirschbaums. Er beugt sich zwischen zwei Ästen hindurch nach vorne zu seiner Geliebten und versichert ihr, dass erst seine Hingabe zur Ornithologie, ihn dazu befähigt zu lieben, wie er liebt. Wie er sie liebt. Meine Mutter ist entzückt. Sie verschwindet kurz aus dem völlig dunklen Raum, in dem nur der TV flackert und für Licht sorgt. 

Kurz darauf kommt sie mit einer vollprofessionellen Spiegelreflexkamera zurück, die mit  einem riesigen Objektiv versehen ist, das selbst Ornithologen einschüchtern würde. Sie wuselt um den Fernseher herum, wie um ein Model und schießt dabei eifrig Erinnerungsfotos von der Mattscheibe, auf der der Film läuft, der lose auf einer Geschichte von mir basiert. 

Wie sie sich so um das TV bewegt, erinnert sie mich an den Modefotografen aus Blow Up von Michelangelo Antonioni. Sie knipst und knipst. Dann kontrolliert sie die Fotos auf dem Monitor der Kamera. Traurig stellt sie fest, dass die Bilder nichts zeigen. Es ist zu dunkel im Zimmer. Sie knipst weiter, lässt sich nicht abbringen, von dem Wunsch diesen Moment, wo doch ein Film im Fernsehen kommt, der lose auf einer Geschichte basiert, die ihr Sohn geschrieben hat, festzuhalten. 
Dann kontrolliert sie wieder.
Die Bilder zeigen nichts. Sie wird trauriger, aber knipst weiter. Wieder kontrolliert sie, wieder nichts.
Wieder wird sie trauriger. Der Film flackert vor sich hin.
Sie knippst, kontrolliert, wird trauriger. 
Knipst, kontrolliert,
wird trauriger.
Knipst. 
Kontrolliert. 
Trauriger.
Knipst. 
Kontrolliert…