Logbucheintrag #7

ICE Berlin – Hamburg, Mittwoch 14. November 2012

7:32 Uhr
Im Abteil mit Ruhebereich. Neben mir, jenseits des Ganges unterhalten sich zwei über Literatur. Nicht laut, nicht leise. Moderat. Schräg vor mir packt ein akkurat kariertes Hemd sein Laptop aus und beginnt feines Buchstabenhack auf seiner Tastatur zu zu bereiten. Bis er das Gespräch hinter seinem Rücken nicht mehr erträgt und sich beschwert. Die Beschwerde wird zurück gewiesen. Woraufhin das Hemd dem Schaffner hinter her rennt. Kurz darauf kommt das Hemd korrekt den Gang zurück geschritten und verschwindet auf der Toilette. Während sich das Hemd auf dem WC zumindest um den Bauch herum etwas entspannt, sorgt der Schaffner für die eigentliche Erleichterung und bietet dem Literaturgespräch einen Platz im nächsten Abteil. Zufrieden kehrt das Hemd an seinen befriedeten Platz zurück. Eine akkurat hübsche Mittvierzigerin kommt durchs Abteil gehuscht um sich beim Hemd für sein Einschreiten zu bedanken. Das musste sein, endlich. Man kennt das ja, Unruhestifter. Das Hemd ist zufrieden. Zurück bleibt das stoische Fingergehacke auf der Tastatur. Ich versuche zu schlafen. Der Zug versucht pünktlich zu sein. Das Scheitern hängt an diesem Morgen in der Luft.