Meine Tasse lügt!

Codes, überall Codes. Die Kleidung die wir tragen, die Frisur, unsere Haltung (auch die Innere) alles spricht und labert und verspricht und gibt ein Bild, dass wir mögen, vielleicht auch nicht und das ankommt, richtig oder falsch. Wer weiß das schon?

Trotzdem, wir versuchen der Sprache Herr zu werden und wir versuchen sie verständlich erscheinen zu lassen. Ich rasiere mich aus gutem Grund nicht, zum Beispiel. Jeder tut das, ob er will oder nicht. Jeder entscheidet sich morgens für ein bestimmtes T-Shirt und die, die jetzt behaupten sie tun das nicht, haben sich eben dafür entschieden. Aus der Kiste kommt keiner raus, Sorry, aber das ist Fakt.

Nun zur Tasse, die Situation kennt vielleicht nicht jeder, deshalb erkläre ich sie kurz. Es gibt morgens im Büro einen Zeitpunkt, nämlich den Frühankommzeitpunkt, da ist die Küche noch verweist, die Spülmaschine noch warm und das Arbeitsleben hat noch alle Tassen im Schrank. Die Situation ist insofern viel wert, da man freie Auswahl hat, eine unverfängliche Tasse aus dem Fundus zu greifen. Es mag Büros/Agenturen geben, da sind die Tassen alle gleich. Es gibt aber auch die Agenturen, wo das Angebot der Tassen mitarbeiterbedingt heterogen ist. Heißt, jeder hat mal eine mitgebracht und Gott weiß, Menschen haben ein Faible für Tassen mit Aussage. Und der Teufel weiß, es gibt einen Markt für Tassen mit Nasen und Ohren. Aber das ist ein anderes Thema.

Was nun, wenn dieser Zeitpunkt der großen Auswahlmöglichkeit verstreicht? Was wenn nur noch eine Tasse übrig bleibt? Tassen reden, sie reden wie dein T-Shirt, die Kette die du um den Hals trägst. Sie quasseln die ganze Zeit. Sie quasseln wenn sie neben dir am Schreibtisch einen hässlichen Rand auf die Platte malen. Sie quasseln, wenn Du zum Rauchen nach draußen gehst und wenn Du auf die Toilette gehst, bleiben sie an deinem Platz zurück und dann, dann vertreten sie dich, dann sind sie das letzte was von dir spricht (ausgenommen Deiner Tasche, aber die liegt unter dem Tisch, deine Jacke hängt an der Garderobe). Wenn du Glück hast ist der Bildschirmschoner noch nicht angesprungen und die offene Website oder das Programm rettet deinen Ruf. Tassen schweigen nie. Und meine Tasse lügt.

Der Moment die richtige Tasse zu erhaschen ist wie jeden Morgen verstrichen und als ich das Regal öffnete sah sie mich an, von der Form unscheinbar, die Farben gar nicht grässlich, nur ein Schriftzug: “Der beste Papa der Welt.” Scheiße.