St. Anger, oder von der Kunst, sich selbst einen Pflock ins Herz zu rammen und von der Tragik, Opfer des eigenen Triumphs zu werden.

Mal ehrlich, Metallica nervt. Zu groß, zu alt, zu Metal, zu wichtig. Vom ersten Album zu Master of Puppets, der Tod Burtons, die Newsted-Jahre über das Black Album durch das ReLoad-Tal in die Garage und mit viel Rumms gegen die Wand: St. Anger. Death Magnetic interessiert doch keine Sau.

Unzählige Bands haben es nicht geschafft, würdevoll alt zu werden und für manche ist es schwerer, als für andere. Wie wird eine Metalband würdevoll alt? Viel problematischer, wie werden die Fans würdevoll alt? Bands die sich über die Jahre entwickeln und sich dementsprechend verändern sehen sich oft der Kritik der “alten und treuen” Fans gegenüber. Aber welcher Standpunkt wird hier vertreten? Hält man sich an den Metal kann man getrost drauf scheißen. Sollen die doch Simply Red hören.

Metallica ist da noch ein anderer Fall. Es sind die Dämonen die gerufen werden wenn eine Band kein Zusammenschluss aus Musikern mehr ist, sondern ein Schwarm, eine Armada, eine Lokomotive die durchs Land pflügt, some kind of Monster. Stadien, schwitzende Massen, die Kiste wird groß, größer, ein Planet und im Kern herrscht eine unerträgliche Hitze unter dem Druck der Gesteinsmassen. Komm da mal raus.

Shoot me again I ain’t dead yet.

St. Anger ist das beste Album Metallicas, eben weil es das objektiv nicht ist. Denn es verweigert, verzichtet auf alles, was die Qualität der Band über Jahre hinweg ausgezeichnet hat. Hier wird eine Bombe aufs eigens bestellte Feld geworfen. Welche Band singt nicht gerne vom Abgrund? So manches Genre hat das sogar institutionalisiert. St. Anger lässt hören, wie es klingt wenn man mit dem Mikro draufhält wie ein fieser Paparazzi der Hilfe holen sollte. Es wird keine Hilfe kommen, Ulrichs Snare klingt als würde er eine Stunde lang seinen Kopf gegen die Garagenwand prügeln. Ein Nervenzusammenbruch, ein Kollaps. Danach sieht die Welt wieder anders aus, durch den Monsun. Auch die Tatsache, dass die Band selbst auf der St. Anger-Tour kaum Songs vom Album spielte, zeigt den Therapieanspruch der Aufnahme.

Dann kommt Death Magnetic. Leer, ein Zombie, die ganze Energie steckt im Vorgänger. St. Anger die Agonie? Death Magnetic der Gruß aus der Gruft. Das Cover ist auf dieser Linie. Ein Album, von der Struktur aus den 80gern, die Produktion treibt es zu weit. Das Mastering ist schlecht, Digital, zu viel nachgeholfen, es muss lauter wirken und das ist Rotz. Das passt zur Carglas-Werbung in der Pause der Sportschau, aber nicht zu einer Band die Eier hat.

Und warum darüber schreiben? Weil es Respekt verdient an das Monument zu pissen, dass man sich selbst gebaut hat und weil kein Erfolg, sei er noch so groß, vor dem nächsten Scheitern schützt.