Der foucaultsche Pendler

Ich kann mich nicht bewegen. Ich müsste,
kann nicht. 
Die Sekunden rennen vor mir weg, nehmen die Minuten wie Hürdenläufer. 
Straucheln nie. 
Auch wenn ich die Daumen drücke, wenn ich die scharfen Kanten meiner Fingernägel ins eigene Fleisch schneide, sie straucheln nie. Ich muss nicht straucheln, denn ich liege noch immer im Bett und starre auf den Wecker, den dummen Wichser. 
Korrekter Pennälerarsch.

Meine Gedanken kreisen um Taktiken, die ich mir zurecht lege, um die verlorene Zeit wieder aufzuholen. Rationalisierungsmaßnahmen, die meinen Morgenablauf in kleinste Zeiteinheiten einteilen, zusammenfassen, Einsparungsmöglichkeiten ausloten. Dabei ständig die Taktik auf den neusten Stand bringen, anpassen, überarbeiten. Der neuen Situation gerecht, denn die Hürdenläufer verschnaufen nie und…
Dieser korrekte Pennälerarsch!
… ich liege noch immer flach, auf dem Rücken.

Ich will kein Käfer sein. Nur allein, zuhause, in Ruhe. Ich will das Wochenende sein, der kurze Moment, gerade wenn der Feierabend beginnt und alles weit weg ist. Ich möchte zuhause sein. Der Zug dorthin geht in Minuten und er geht ohne mich. Zwischen mir und meinen Wünschen steht der Feind der meinen Namen trägt,
träge,
nicht aufsteht. 
Dieser korrekte Pennälerarsch. 
Mein Wecker ist von der CDU. In viel zu regelmäßigen Abständen hat man ihn am Arsch und will nur eins, dass er still ist.

Es fehlt nicht viel. Ich muss nur aufstehen. Das ist nicht schwer. Dann muss ich packen. Mir Gedanken machen was ich tun werde, was ich dafür brauchen werde. 
Auf was ich Lust haben werde, eventuell, und was ich dafür opfern muss, was ich aber womöglich brauche, wenn mein Lusttipp daneben geht, es aber nicht mehr in den Trolley passt.
Packpanik kriecht unter meine Decke. 
Ich weiß nicht was ich wollen werde, 
weiß es nicht mehr. 
Hab es verloren,
liegt zwischen A und B – wahrscheinlich. 

Ich bewege mich in Kreisen, durchs Land. Die Ziele zielen auf mich, “lass uns mal treffen, wenn Du da bist.” Man trifft sich ja so selten und getroffen sinke ich ab und zu was macht mich das? Zu einem Geist, zwischen den Orten, mit Bahn Comfort Status?

Ich werde dem korrekten Pennälerarsch das Maul stopfen und ich werde ankommen. Der Wind dreht sich in meine Richtung und ich mich um die eigene Achse, ziehe die Decke bis zum Kinn und konzentriere mich auf den nächsten Zug. Den werde ich nehmen. Aber bis dahin kann ich noch mal kurz einnicken. 
Einknicken. 
Abnicken. 
Freigeben. 
Feedback-Runde. 
Abstimmungstermin. 
Vielleicht schaffe ich es ja am Wochenende einen Waldlauf zu machen. Ich weiß nur noch nicht in welcher Stadt.